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"Der Hund
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(Heinz Schenk, Showmaster)

 

 

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wie gut ich höre –
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Darum gehöre ich
dort an die Leine –
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Die Waffen der Wikinger

Das Schwert

Das Schwert war die kostbarste aller Waffen, hochgepriesen wegen seiner Kampfkraft und als Statussymbol. Je höher der Rang des Kriegers, desto prachtvoller sein Schwert. Oft war der Griff reich verziert, doch obschon ein sorgfältig gearbeiteter Griff einen mächtigen Eigentümer kennzeichnete, war doch die Klinge der wichtigste Teil der Waffe, denn von ihr hing das Leben des Trägers ab. Die zweischneidigen Klingen, zwischen 70 und 80 cm lang, waren leicht und elastisch, stark und scharf. Die zweischneidigen Schwerter wurden benutzt, um nach dem Gegner zu schlagen, und verursachten zweifellos schwere Verletzungen.



Der Speer

Die wirkungsvollste Stoßwaffe war der Speer mit seiner schlanken, spitz zulaufenden Eisenklinge von bis zu 50 cm Länge, die mit einer Tülle an einem hölzernen Schaft befestigt war. Einige Speere müssen, wie die Schwerter bester Qualität, Waffen mit Statuscharakter gewesen sein. Ihre Klingen waren damasziert, scharf an Schneiden und Spitze, die Tüllen waren mit Silber oder Bronze eingelegt.



Die Axt

Obgleich die Streitaxt in der populären Vorstellung eng mit den Wikingern verbunden wird, scheint sie im ganzen als Waffe doch weniger bevorzugt gewesen zu sein als Schwert oder Speer. Die Axt wurde auf sehr einfache Weise hergestellt: Eine scharfe Schneide wurde auf einem geformten Eisenblock geschmiedet, und dann wurde das stumpfe Ende in einen gespaltenen Schaft eingelassen und festgekeilt. Die meisten Streitäxte sind von Werkzeugen nicht zu unterscheiden.



Der Rundschild

Die Wikinger schützten sich im Kampf durch das tragen von Rundschilden, die die dem Körper Schutz boten. Sie waren aus Holz, manchmal mit Leder bezogen und einer Randverstärkung durch Eisenband versehen. Sie konnten mit metallenen Beschlägen und Symbolen verziert sein und waren manchmal farbig bemalt. Ein eiserner Schildbuckel schützte die Traghand.


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Die Schiffe der Wikinger

AUF IHREN EROBERUNGSZüGEN UND HANDELSREISEN KAMEN DIE WIKINGER VOM WEISSEN MEER IM NORDEN BIS NACH KONSTANTINOPEL IM SüDOSTEN EUROPAS, VON NORDAMERIKA IM WESTEN BIS NACH RUSSLAND IM OSTEN.

Das Aussehen

Von Schiffen war seit jeher beeinflusst von den am Ort vorhandenen Baustoffen und den Bedürfnissen, Erfahrungen und Wunschträumen der Menschen. Ein Schiff ist das Produkt einer Gesellschaft - ihrer sozialen und wirtschaftlichen Strukturen, handwerklichen und ästehtischen Traditionen, Veränderungen und Entwicklungen.

Der Begriff Wikingerschiff ist nicht eindeutig.
Es gab viele Typen und sowohl funktionelle als auch regionale Unterschiede. Die Zahl der Funde ist trotz allem recht gering. Ausgangspunkt für die klinkerbeplankten Schiffe der Wikingerzeit war vermutlich der Einbaum. Dieser wurde im Laufe der Zeit immer flacher und mit immer mehr Spritzborden versehen. Zum Schluss blieb von dem Stamm nur noch ein Balken übrig und das Schiff harte eine Klinkerbeplankung erhalten. Durch diese Konstruktion wurde das Schiff stark und elastisch. Allmählich stellte man den Kielbalken hochkant, wodurch die Kursstabilität verbessert und die Abdrift verringert wurde. Außerdem wirkte der Kiel als Schutz bei der Landung und beim Anlandziehen des Schiffs. Das Wikingerschiff hatte spitz zulaufende, hochgezogene Steven.

Bug und Heck waren ziemlich gleich geformt, was zu ruhigen Bewegungen und geringem Wasserwiderstand führte. Das Wikingerschiff war ein segelndes Schiff mit Seitenruder, einem Mast und einem Rahsegel. Bei der Baumethode handelt es sich um einen sogenannten Schalenbau, das heißt, man legte zuerst ohne Schablonen den meist aus einem Stück bestehenden Kiel, und zog dann die Steven hoch. Danach wurde die überlappende Beplankung angebracht. Die Planken wurden zusammengenietet, bei kleineren Ruderbooten manchmal zusammengenäht oder mit Holznägeln verbunden.

Als Dichtmittel dienten geteerte Stränge aus verzwirntem Rosshaar, Moos, Stoffstreifen oder Wolle. Die Steven wurden mit dem Kiel verlascht und endeten in einer Spirale oder einem Drachenkopf. Die Spanten, meist aus krumm gewachsenen Hölzern, wurden an ausgesparten Kloben verzurrt oder direkt mit Holznägeln an den Planken befestigt. Die Verzurrung ist von großem Vorteil für die Elastizität des Schiffs und machte die Wikingerschiffe äußerst wendig. Die Planken hieb man mit Axt, Keil und Hammer radial aus einem Stamm und bearbeitete sie so, dass sie zu den Steven hin dünner und schmäler wurden. Zur Steuerung diente ein meist steuerbords angebrachtes Seitenruder.

Rekonstruktionen zufolge hatte der Mast eine Höhe von 10-13 Meter. Er war umlegbar und mit Stagen und Wanten aus Hanf oder Bast am Rumpf und mit Wantenringen aus Weidengerten und Holzblöcken an der Takelage befestigt. Es ist anzunehmen, dass das Tauwerk zum Teil auch von Robben, Walrossen oder verschiedenen Landtieren stammte und aus Wolle, Rosshaar; Sehnen oder Flachs bestand.

Die Entwicklung des Schiffsbaues in Skandinavien ist eng mit der Geschichte der Eisenerzeugung verbunden. Von den Eisenwerkzeugen war die Axt am wichtigsten, aber auch Bohrer, Keil, Hammer und Zange erleichterten die Holzbearbeitung. Schaber; Messer; Zwingen und Lote spielten ebenfalls eine Rolle. Entscheidend war jedoch die Wahl des richtigen Holzes. Soweit wie möglich verwendete man krumm gewachsene Hölzer für Spanten, Steven und Knie. Im wesentlichen bestanden die Wikingerschiffe aus Eiche und Kiefer, aber auch Esche und Buche sowie Erle und Ahorn für gewisse Teile kamen vor. Eichenholz hat den Vorteil, dass es stark ist und nicht so leicht fault. Hingegen ist es schwer zu bearbeiten und musste sicherlich gedämpft werden. Kieferholz ist leichter zu bearbeiten, biegsamer und hervorragend für Planken u.ä. geeignet.

Im großen und ganzen kann man zwei Gruppen von Wikingerschiffen unterscheiden: die schmaleren, längeren und niedrigeren Kriegsschiffe (Langschiffe), und die breiteren, kürzeren und höher gebauten Handelsschiffe (Knarren). Die gefundenen Kriegsschiffe waren 16 bis gut 30 Meter lang, während die Handelsschiffe eine Länge Von 13 bis 18 Meter hatten. Ein 30 Meter langes Schiff konnte mit 30 Ruderpaaren, also von 6o Mann gerudert werden. Kürzlich wurde bei einer Ausgrabung in Roskilde, Dänemark, das bisher größte Wikingerschiff mit 36 Meter Länge gefunden. Ein solches Schiff könnte 100 Mann Besatzung gehabt haben, von denen 78 Mann hätten rudern können. Die Handelsschiffe dürften vorsichtiger und mit Besatzungen von nur 6 bis 12 Mann gesegelt worden sein. Auf ihren Fahrten im osteuropäischen Raum verwendeten die Wikinger kleinere Typen, vor allem 8 bis 12 Meter lange und mit einem Hilfssegel versehene Ruderboote, die sich für die Weiterfahrt auf den russischen Flüssen eigneten.

Diese Schlüsse können wir aus einer Reihe von Funden in den nordischen Ländern ziehen, vor allem in Oseberg und Gokstad in Norwegen sowie in Roskilde in Dänemark. Aber auch in Schweden gibt es Fundstätten wie Askekärr am Göta älv, Foteviken in Schonen und Årby in Uppland. Auch Abbildungen auf gotländischen Bildsteinen, Münzen, ein paar wenigen Runensteinen, auf Knochen und Holz eingeritzte Zeichnungen sowie der von 1066 stammende gestickte Bayeux-Wandteppich aus der Normandie lassen erkennen, wie die Wikingerschiffe aussahen. Weitere Hinweise sind dem isländischen Sagenstoff zu entnehmen, doch sind die Angaben über Schiffe und Reisen, Wetter, Wind, Entfernungen und Geschwindigkeiten recht spärlich und noch unklarer in Bezug auf Segel, Segeltechnik und Navigation. Außerdem ist zu bedenken, dass die Sagas aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen und nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse der älteren Wikingerzeit übertragbar sind.

Von den Schiffen der Wikingerzeit sind mehrere Rekonstruktionen angefertigt worden, vor allem in Roskilde in Dänemark, aber auch in Norwegen und Schweden. Diese Rekonstruktionen verfolgten natürlich nicht immer den gleichen Zweck. Nachbildungen werden fast immer irgendwie modifiziert und die Originaltreue hängt nicht zuletzt von den finanziellen Mitteln ab. Vielleicht sind auch mehr Kenntnisse über Material, Form, Baumethoden und Segeltechnik erforderlich, als wir gegenwärtig besitzen. Andererseits gewinnen wir einige dieser Kenntnisse eben dadurch zurück, dass wir Experimente wagen.

Schiffe haben seit jeher Namen gehabt, obwohl es erst im 17. Jahrhundert üblich wurde, ihn aufzumalen. Die Namensgebung hatte vielerlei Gründe - religiöse, politische, wirtschaftliche, sentimentale oder um das Schicksal milde zu stimmen. Schon die ältesten bekannten Namen belegen mehrere dieser Bedeutungen. Häufig handelte es sich um Götternamen oder Namen, die an eine nationale Größe, bedeutende Menschen oder verehrte Tiere erinnerten. Belege für Schiffsnamen aus der Wikingerzeit findet man vor allem in den isländischen Sagas. Die Wikinger benannten ihre Schiffe, um sie zu ehren und voneinander unterscheiden zu können. Der norwegische König Olav Tryggvason ließ 995 die Tranan (Kranich) zu Wasser und bald danach, im Jahr 1000, das größte und berühmteste Wikingerschiff, Ormen Linge. Charakteristisch für die damalige Zeit waren Drachen- und Schlangennamen, aber auch die Namen anderer Tiere wie Oxen (Ochse) und Hjorten (Hirsch) oder von Vögeln wie Falken (Falke) und Svanen (Schwan). Die Handelsschiffe trugen Namen anderer Art. Hier finden wir Bezeichnungen wie Torborg Knarrarbringa, Gullhringa oder Stigande, vermutlich der Name eines Schiffs, das gut am Wind segelte.

Die Wikingerschiffe haben ihre Nachwelt immer gelockt und fasziniert. Sie setzen unsere Phantasie in Bewegung und beeindrucken uns sowohl durch ihre Konstruktion und technischen Lösungen, als auch durch ihr Handwerk und ihre Ornamentik.



Segel und Segeltechnik

DIE ENTWICKLUNG DES SEGELS IST EINE LANGE UND KOMPLIZIERTE GESCHICHTE. DIE MEISTEN FORSCHER SIND JEDOCH DER AUFFASSUNG, DASS DAS RAHSEGEL IRGENDWANN IM 7. JAHRHUNDERT VOM MITTELMEER NACH NORDEUROPA KAM.

Aus dieser Zeit stammen auch Abbildungen solcher Segel auf gotländischen Bildsteinen. Nach seiner späten Ankunft im Norden hielt sich das Rahsegel lange, fast bis in unsere Gegenwart. Im Gegensatz zu den Schratsegeln werden Rahsegel querschiffs, das heißt rechtwinklig zum Kiel gehisst und dienten somit für alle Bugformen und Windrichtungen. Das Rahsegel der Wikingerzeit bestand vermutlich aus Fries, einem dicken, flauschigen Wolltuch, das in ältesten Zeiten mit Kreuzbindung, später auch mit Köperbindung gewoben wurde. Der gewalkte und gestampfte Fries ist dehnbar und schwer. Eigentlich sollte man meinen, dass Leinen besser gewesen wäre. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Leinensegel vorkamen.

Die Theorie der Fries-Segel mit bänderförmigen Verstärkungen aus Leder, Leinen oder Seilnetzen basiert auf den karierten Segeln der gotländischen Bildsteine und auf den Sagas, in denen von Segeln mit roten und blauen Bändern die Rede ist. Es gibt viele Versuche, die Segel auf den Bildsteinen zu deuten. Handelt es sich um eine künstlerische Darstellung? Oder um eine Art von Verstärkung der Segel? Auch eine Theorie über geflochtene Segel wurde vorgebracht. Segel sollten ein gleichmäßiges und glattes Profil aufweisen - ein Flechtwerk würde den Luftstrom behindern und den Vortrieb verringern. Wahrscheinlich stellen die abgebildeten Linien ca. 6o cm oder 55-90 cm breite Bahnen dar. Das entspricht der Breite der damaligen Webstühle. Das Geflecht unter den Segeln lässt sich als eine Anordnung zum Schoten des Segels deuten. Bei den Funden, die von Forschern als Segelfragmente identifiziert wurden, handelt es sich um Stoffreste von den Fundstätten Oseberg und Gokstad.

Verschiedenen Rekonstruktionen zufolge betrug die Segelfläche 70-90 m2 bei größeren Schiffen und 30-50 m2 bei kleineren vom Typ Roskilde 3. Zweckdienlich für dieses 13 Meter lange Schiff wäre ein Segel mit bis zu 44-46 m2 gewesen. Bei den angestellten Rekonstruktionsversuchen und Segelanalysen zeigte sich, dass die Schiffe untergetakelt waren, was die Segeleigenschaften bei schwachen Winden verschlechterte. Größere Segelflächen in einem Stück wären jedoch sehr schwer zu handhaben gewesen. Das kürzlich in Roskilde gefundene, 36 Meter lange Kriegsschiff hätte theoretisch ein Rahsegel von fast 200 m2 führen können. Die Rahsegel der Wikingerzeit wurden mit Rahstange, Brassen, Bulinen und Sprieten manövriert.

Falls die Segel tatsächlich so wie auf den meisten Abbildungen aussahen, war das Verhältnis zwischen Höhe und Breite aerodynamisch weniger günstig. Die große Breite war aber vermutlich notwendig, um das Schiff im Gleichgewicht zu halten, da sich der Mast mittschiffs befand.

Ganz allgemein kann man sagen, dass Rahsegel ausgezeichnet bei Rücken- und Seitenwind, aber schlechter beim Kreuzen sind. Die Frage, wie hart am Wind die Wikingerschiffe segeln konnten, ist ein alter Zankapfel der Forscher und von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Navigation. Man stelle sich vor, auf langen Schlägen gleichzeitig mit einiger Genauigkeit die Position bestimmen zu müssen. Die Kreuzungswinkel liegen zwischen 55º und 70º mit einer Abdrift von 8º bis 10º. Winkel von 55º bis 65º wurden nur in seltenen Fällen erreicht. Bei sämtlichen Segelversuchen zeigte sich, daß die Schiffe tüchtiger bei scharfen Winden segelten und besser eine größere Segelfläche gehabt hätten.

Die Geschwindigkeit der Wikingerschiffe dürfte höchstens 12-14 Knoten betragen haben. Bei Versuchen wurden in Ausnahmefällen 17 Knoten erreicht, normal waren eher 5-7 Knoten. Bei günstigen Winden und einigermaßen gutem Wetter waren Tagesetappen von 240-320 Kilometer möglich.
Die Fahrten in gerader westlicher Richtung waren unter günstigen Umständen segeltechnisch wohl einfacher. Nach Osten legte man nie so lange Strecken zurück und hatte fast ständig Land in Sicht. Wahrscheinlich verwendeten die Wikinger hier und für die Weiterfahrt auf den russischen Flüssen einen anderen Schiffstyp, und zwar vor allem Ruderboote. Häufig waren Wetter und Wind auch so widrig, daß das Rudern schneller ging.

Man kann schwerlich über Schiffe, Segeln und Navigation der Wikingerzeit diskutieren, ohne eine Vorstellung vom damaligen Klima zu haben. Im Vergleich zu heute war es wärmer; trockener und stabiler; das heißt weniger stürmisch. Das Temperaturmittel lag um etwa 2º-4º höher; was zu weniger Eis führte. Durch die Untersuchung von Sedimenten, Sandflucht, die Lage von Seehäfen usw. sind die Forscher auch zu dem Schluss gekommen, dass zur Wikingerzeit in den betroffenen Gebieten Winde aus SO- O - NO vorherrschten, anstatt wie heute aus SW und WSW. Dennoch waren die Wikingerzüge sicherlich oftmals mit schweren Strapazen verbunden. Am Ende der Wikingerzeit wurde das Klima auch etwas feuchter und kälter.

Die Wikingerschiffe waren leichtbeweglich mit geringem Windfang. Bei schlechtem Wetter sollte es möglich gewesen sein, den Kurs mit Hilfe der Ruder gegen Wind und Wogen zu halten. Bug und Heck hatten eine sehr ähnliche Form, was zu ruhigen Bewegungen führt. Der Freibord war sehr gering, schon bei 15º Krängung lief das Wasser über die Reling. Die Handelsschiffe mit einem höheren Freibord sowie Vor- und Achterdeck waren in dieser Hinsicht natürlich etwas besser. Das Wenden durch den Wind war mit großem Aufwand verbunden. Beim Kreuzen ruderte man das Schiff höchstwahrscheinlich mit gerefftem Segel. Dass irgendein Schiff zur Wikingerzeit allein von Segeln angetrieben wurde, scheint ausgeschlossen. Sicherlich machte man gleichzeitigen Gebrauch von Segeln und Rudern, aber bei starkem Seegang ist dies schwer und auch nicht ungefährlich. Außerdem kann man schlecht rudern, wenn das Schiff krängt.

Die Wikinger traten ihre Fahrten bei günstigen Winden an. Am besten segelten sie vor dem Wind oder mit rauem Wind. Segel und Takelage taugten nur begrenzt zum Segeln am Wind und wenn man ausnahmsweise zu kreuzen versuchte, musste man daher die Ruder zu Hilfe nehmen. Zum Rudern waren die Wikingerschiffe hervorragend geeignet.
Wir dürfen annehmen, dass die Wikinger hier in der Ostsee möglichst in Sichtweite von Land segelten und das offene Meer mieden. Auf ihren Fahrten nach Osten nahmen sie vermutlich den Weg über die Ålandinseln und entlang der finnischen Südküste in den Finnischen Meerbusen. Das heißt, dass man schon zur Wikingerzeit die mittelalterliche Fahrroute benutzte, die im Grundbuch König Valdemars von etwa 1300 beschrieben ist und von Utlängan in Blekinge in die Stockholmer Schären und weiter über Åland nach Finnland führte. Die Wikingerzüge und vor allem ihre Regelmäßigkeit sind imponierend.

Wie navigierten die Wikinger

IN DEN ISLäNDISCHEN SAGAS FINDEN WIR BESCHREIBUNGEN VON SEEREISEN, WIND UND WETTER, ABER NUR SEHR WENIG üBER DIE NAVIGATION AN SICH. UM LANGE STRECKEN AUSSER SICHTWEITE VON LAND ZU SEGELN, IST JEDOCH IRGENDEINE ART VON NAVIGATION ERFORDERLICH. DER MAGNETKOMPASS KAM ERST IM 13. JAHRHUNDERT NACH EUROPA.

Welche Hilfsmittel benutzten die Wikinger? Nun, zweifelsohne die gleichen, wie man sie auf allen Meeren der Welt verwendete. Um hinter dem Horizont liegende Ziele mit einiger Sicherheit erreichen zu können, entwickelte man in verschiedenen Kulturkreisen weitgehend ähnliche Methoden und Hilfsmittel.

Eine Voraussetzung zur überquerung von Meeren waren geeignete Witterungsverhältnisse. Wie wir aus den isländischen Sagas wissen, warteten die Wikinger bekannte Wettertypen und günstige Winde ab. So machten es später auch die großen Windjammer, und so machen es noch heute alle Segler.

Die Wikinger hatten somit keinen Magnetkompass oder andere Präzisionsinstrumente, die es ermöglichen, geographische Breite und Länge auf hoher See zu bestimmen. Im Prinzip kann man ihre Navigation als Koppeln oder dead reckoning bezeichnen, das heißt sie beobachteten ihre Breite und schätzten ihre Länge (die zurückgelegte Strecke). Um den Kurs zu halten, orientierten sie sich nach den Himmelskörpern. Es ist anzunehmen, dass sich die Wikinger - genau wie die Seefahrer auf anderen Weltmeeren - durch Erfahrung die nötigen Kenntnisse über Wetter, Winde und Strömungen entlang ihrer Routen verschafften, um eine befriedigende Einhaltung des Kurses zu erzielen.

Grundlegend für die Navigationskunst der Wikinger war, dass sie die Himmelsrichtungen kannten und zu bestimmen wussten. Die Kardinalpunkte Norden, Süden, Osten und Westen konnten sie durch Beobachtung der Sonne und - bei Dunkelheit - des Polarsterns und anderer Himmelskörper bestimmen. Danach war es möglich, den durch mündliche überlieferung bekannten Kurs zu setzen. Der Kurs wird als Winkel zwischen der Richtung zu dem beobachteten Himmelskörper und der Längsrichtung des Schiffs definiert. Dies erforderte eine Art von Winkelmessung.

Gesicherte Funde von Navigationsinstrumenten aus der Wikingerzeit sind zwar nicht bekannt, wohl aber Gegenstände, die von einigen Forschern als solche Instrumente gedeutet werden. Es ist jedoch nicht schwer, von einem bestimmten Punkt des Schiffs aus den Kurs zu bestimmen, indem man mit einfachen Mitteln den Winkel zwischen einer Linie vom Mast zum Vordersteven und der Richtung zum Himmelskörper misst. Eine solche Messung kann man mit dem Arm, der Hand oder den Fingern anstellen. Ist die Winkelhöhe größer als sie sein sollte, befindet man sich zu weit südlich, ist sie kleiner; zu weit nördlich. Große Winkel, für welche die Hände nicht ausreichten, konnte man statt dessen einigermaßen genau bestimmen, indem man z.B. den Winkel beobachtete, den der Schatten des Masts zur Längsrichtung des Schiffs bildete.

Viele sind der Meinung, die Wikinger müssten eine einfache Peilungsscheibe gehabt haben. Ein Holzfragment von Ausgrabungen auf Grönland ist als Teil einer solchen Scheibe gedeutet worden. Eine Rekonstruktion zeigt, wie man mit Hilfe des Schattens, den ein Stab auf den Kreis wirft, den Kurs bestimmt und mit einem horizontalen Zeiger einstellt. Auf der dänischen Insel Lolland fand man Teile eines kreisrunden gekerbten Sandsteins, der ebenfalls als Winkelmesser für die Sonnenhöhe interpretiert worden ist.

Mehrere Forscher meinen auch, dass ein sogenannter Sonnenstein als primitiver Kompass gedient haben kann. Ein solcher Quarzit fungierte vielleicht auch als Polarisationsfilter, mit dem die Sonnenrichtung auch bei bewölktem Himmel festgestellt werden konnte.

Bei Fahrten nach Osten handelte es sich jedoch vorwiegend um Küstennavigation. Dazu und für eine sichere Identifizierung von sicheren Landungsplätzen sind ebenfalls Hilfsmittel notwendig. Topographische Formationen wie Inseln, Berge, Flussmündungen oder besonders auffällige Bäume sind als Seezeichen verwendet worden, so lange es Schiffe gibt. Und Namen wie Rödö (rote Insel), Flatö (flache Insel) oder Kullen (Hügel) besagten, wonach man Ausschau halten sollte. Vermutlich gebrauchte man bei der Küstennavigation auch verschiedene Peilungslinien. Wir wissen nicht, wann man begann, künstliche Seezeichen zu errichten, doch zu Ende der Wikingerzeit traten solche in Form von Markierungen, Signalfeuern und Steinkreuzen erstmals an unseren Küsten auf.

Um die Richtung zu Land zu bestimmen, kann man Vogelzüge zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten verfolgen. Und aus der Farbe des Meeres kann ein erfahrener Steuermann wichtige Schlüsse ziehen, da die Farbe mit den Lichtverhältnissen und der Zusammensetzung des Wassers wechselt.

Auch Gerüche können beim Anlaufen von Land behilflich sein. Der Geruch von Feuer, Blumen, frischem Laub usw. wird vom Wind bisweilen weit hinaus übers Meer getragen. Auch die See selbst hat stellenweise einen besonderen Geruch, ebenso gewisse Strände. Ausdünstungen von Vögeln und Landtieren sind weitere Orientierungshilfen. Auch sind Gerüche am stärksten, wenn die Sicht am schlechtesten ist, das heißt bei Nebel, Regen und Nacht. Geräusche dringen manchmal ebenfalls weit hinaus aufs Meer. Wolkenformationen liefern ebenfalls wichtige Hinweise. Wolken neigen dazu, in bestimmten Formen aufzutreten und sich über bergigen Inseln und Küsten anzuhäufen. Auch über flachen Inseln bilden sich charakteristische Wolken.
Die Dünung ist ein durch den Wind hervorgerufener Seegang mit gleichmäßigen, langgezogenen Wellen. Sie kann von neuen Wellen überlagert werden und dennoch bestehen bleiben. Die Kunst, alte und neue Dünungen zu unterscheiden und dies zur Navigation auf offenem Meer zu nutzen, ist seit langem bekannt.

Auch der übergang zwischen kalten und warmen Strömungen lässt sich an den Veränderungen von Temperatur und Farbe des Wassers erkennen.
Wir können sicher sein, dass die Wikinger alle hier genannten Erscheinungen kannten und durch Erfahrung und mündliche überlieferung auch lernten, sie nutzbringend zu verwenden. Sie verstanden es hervorragend, die Natur zu beobachten und wertvolle Schlüsse daraus zu ziehen. Dieses Orientierungsvermögen haben wir heutigen, von der Technik abhängigen Menschen leider verloren. Instrumente waren früher weniger wichtig.

Quelle:
Texte von Sibylla Haasum / übersetzungen des Textes von Heinz Schmidt



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Thorshämmer, Kreuze und andere Amulettanhänger

Zu allen Zeiten und in allen Kulturen haben Menschen Amulette als Glücksbringer getragen - so auch die Bewohner des wikinger-zeitlichen Nordens.

Amulettcharakter besitzt sicher der Anhänger in Form eines Hammers. Daß er Symbol für den Gott Thor war, findet in der Eddadichtung und in zeitgenössischem ikonographischem Material seine Stütze. Kleine Thorshämmer aus Eisen, auf eiserne Halsreifen aufgezogen, findet man in (nahezu ausschließlich Brand-) Gräbern des 9. und 10. Jahrhunderts, hauptsächlich im östlichen Mälarsee- Gebiet. Auch auf Åland und in Russland kommen sie vor; gut 50 silberne Thorshämmer kennt man aus Schatz-, seltener auch aus Grab- oder Siedlungsfunden. Diese besitzen eine größere Verbreitung, konzentrieren sich auf Süd- und Mittelskandinavien, finden sich aber auch im Trøndelag und auf Island. Sie können in das 10. und den Beginn des 11. Jahrhunderts, in Gotland sogar bis an das Ende des 11.Jahrhunderts datiert werden. Wenige Funde stammen auch aus Polen und England, von denen einige aus Silber oder Bernstein bestehen.

Die Hammeranhänger aus Edelmetall sind gewöhnlich gegossen, können aber auch aus Silberblech geschnitten oder aus einem gehämmerten Silberstück oder aus aufeinandergelöteten Silberpressblechen geformt worden sein. Alle unterscheiden sich voneinander, es lassen sich aber einige Haupttypen erkennen, wie Stücke ohne Verzierung, solche mit Punzdekor und solche mit Filigranverzierung. Auch Form und Größe variieren.

Der Hammerkopf kann bootsförmig oder rechteckig sein oder einen Mittelzipfel besitzen. Manche sind klein und zierlich, andere massiver. Der Schaft ist gleich breit oder verjüngt sich häufiger zum Hammer hin. Die eingepunzte Verzierung kann ein- oder zweiseitig entlang der Seiten, seltener auch auf der ganzen Oberfläche angebracht sein. Mitunter bildet sie ein Kreuz. Bei den filigranverzierten Stücken stellt der obere Schaftteil und die öse einen Raubvogelkopf dar, der Rest ist mit Spiralen und Kreisen verziert.

Ob die Thorshämmer auch im religiösen Ritus eine Rolle spielten, ist ungewiß, doch deutet ihre häufige Deponierung beim Leichenbrand zuoberst in der Urne auf eine bestimmte Rolle bei der Bestattungszeremonie. ähnliches gilt für die Axtanhänger aus Bemstein in gotländischen Gräbern, die, wie mikroskopische Untersuchungen zeigen, nie benutzt und wohl nur für die Grablegung hergestellt wurden. Auch die auf Åland und in Russland häufigen Tontatzen sowie die durchbohrten Tierzähne könnten eine magische Bedeutung im Rahmen religiöser Handlungen besessen haben.

Von den übrigen heidnischen Anhängern dürften diejenigen in Form eines Feuerstahls als Symbol für das lebensspendende, reinigende Feuer gedeutet werden, die schildförmigen mit Wirbelmotiven als Sonnensymbole - beide in Zusammenhang mit Fruchtbarkeitskulten. Das gleiche gilt auch für Anhänger in Form von Miniaturgeräten, etwa von Sicheln.
Stabförmige Anhänger sind als seidr- (Zauber-) Stäbe gedeutet worden, dem Würdezeichen Odins. Sogar die stuhlförmigen Anhänger können vermutlich mit den Asengöttern in Verbindung gebracht werden: Der Stuhl sollte den Gott auf seinem Thron symbolisieren und könnte sowohl für 0din als auch für Thor stehen. Ringe stellten vielleicht Würdezeichen dar, und Frauenfiguren, mitunter auch mit Trinkhorn, werden als Walküren gedeutet, die - wie auf den gotländischen Bildsteinen zu sehen ist - die Krieger in Walhall willkommen heißen.

Durch ihre Reisen waren viele Nordleute schon vor der Wikingerzeit mit dem Christentum in Berührung gekommen. Die schrittweise Etablierung der neuen Religion in Skandinavien spiegelt sich unter anderem in den Kreuzanhängern aus Schatz- und Grabfunden oder Siedlungsfunden wieder. Daneben fanden sich auch andere christliche Amulette wie Reliquiaranhänger und -kapseln oder Orantenpendilien. Grabfunde mit Pektoralkreuzen kommen vor allem in Schweden und Finnland vor, aber in ganz Skandinavien sind sie aus Schatzfunden bekannt. Besonders in Dänemark gibt es eine klare Trennung zwischen den Schatzfunden mit Thorshämmern und denen mit Kreuzen. Erstere gehören dem 10. Jahrhundert an, letztere der Zeit nach der Jahrtausendwende. Unter den Pektoralkreuzen gibt es gegossene oder aus Blech geschnittene Exemplare mit Punzdekor, Fillgranverzierung, Palmetten, drei Rundem an den Enden sowie Kruzifixe und Reliquienkreuze.

In Birka sind Kreuzanhänger mit Punzdekor aus einer wohl heimischen Produktion in einigen Frauengräbern des 10. Jahrhunderts nachgewiesen. Solche Stücke stammen auch aus dänischen und norwegischen Schatzfunden sowie aus gotländischen Frauengräbern und, als Ausnahme in Schweden, auch aus einem gotländischen Männergrab. In Finnland kommen dagegen Kreuzanhänger in Männergräbern des 11. Jahrhunderts häufiger vor, in Karelien sogar bis in das 13. Jahrhundert. Da Männer in der Regel keinen Halsschmuck trugen, belegen diese Funde den großen Symbolwert des Kreuzes. Wahrscheinlich haben diese Männer das Christentum im Ausland kennen gelernt. Auch die technisch schlichte Ausführung der Kreuze zeigt, dass ihr symbolischer Wert größer war als ihr dekorativer.

Palmettenkreuze finden sich in Schatzfunden des 11. Jahrhunderts, aber auch in karelischen Gräbern des 13.Jahrhunderts. Der Typ ist vermutlich wegen der eindeutigen Prägung im Ringerike-Stil als nordisches Produkt zu sehen. Kreuze mit Rundem an den Enden sind vom 11. bis 14. Jahrhundert im Ostseeraum konzentriert und dürften aus Nowgorod oder dem östlichen Ostseebereich stammen.

Das älteste nordische Kruzifix ist eine Filigranarbeit aus einem Grab des 10. Jahrhunderts von Birka. Im 11. Jahrhundert waren verschiedene Typen verbreitet. Doppelseitige Kruzifixe kennt man aus finnischen Gräbern und schwedischen, dänischen sowie norwegischen Schatzfunden; ähnliche Formen gab es auch in Russland und dem Baltikum. Dabei wird Christus ans Kreuz gebunden anstatt genagelt dargestellt. Bei vielen deuten stilistische Elemente wie Flechtband- und Spiralmuster auf eine skandinavische Fertigung. Daneben gab es aber auch importierte Anhänger, etwa das Halikko-Kreuz, das wohl in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts im Rheinland hergestellt worden sein dürfte.
Kreuzförmige Reliquiare, sog. Enkolpien, sind eine byzantinische Form. Neben Importen wie dem Dagmarkreuz und dem Gundslevmagle-Enkolpion gibt es auch unzweifelhaft skandinavische Enkolpien. Sie stellen wie das Stück von Gamla (Alt) Uppsala teils Nachbildungen östlicher Vorbilder dar, teils sind sie selbständige nordische Schöpfungen, wie das Exemplar von Gåtebo. Der Künstler hat hier auf elegante Weise die östliche Vorlage durch Urnesstil-Flechtband dem nordischen Geschmack angepasst.

Ein Text von Anne-Sofie Gräslund


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Die Spiele der Wikinger

Würfelspiele

Auszüge aus "Games of the Viking & Anglo-Saxen Age"

Würfel wurden meist aus Geweih gefertigt, aber auch Würfel aus Knochen, Walrosselfenbein und Pechkohle waren bekannt. Dass die schnell vergänglichen Materialien wie Holz und Horn auch benutzt wurden ist anzunehmen. Oftmals waren die Würfel rechteckig, die 1 und 2 an beiden Enden und die 3, 4, 5, 6 auf den langen Seiten.
Andere Typen mit moderner Form und Nummerierung wurden auch gefunden. Jedoch betrug die Summe der gegenüberliegenden Seiten meistens nicht 7 (so wie bei den heutigen Würfeln). Ein kurioser Würfel wurde in Dublin gefunden. Er hat zwar die quadratische Form der meisten heutigen Würfel, jedoch war die Kombination der Zahlen 3, 4, 4, 5, 5, 6. Das erinnert an die gängigen Würfel, die bei Rollenspielen genutzt werden.



Brettspiele (Hnefatafl oder Kvatrutafl)

Auszüge aus "Games of the Viking & Anglo-Saxen Age"

Es gibt viele Funde von Brettspielen und Spielsteinen aus Skandinavien und von den Britischen Inseln. Die Spielsteine waren oftmals Halbkugeln, die meist aus Stein, Glasperlen, Knochen, Bernstein, Ton oder Pferdezähnen gefertigt waren. Die Kugel eines Pfannengelenkes war ein idealer Spielstein, da er nicht mehr bearbeitet werden musste. Um die Spielsteine zu unterscheiden wurden die Knochen eingefärbt. Die Steine waren unterschiedlichen Materials oder Farbe. Eine andere Art von Spielsteinen, die gefunden wurde, waren Scheiben, die aus einem Geweih herausgeschnitten wurden und oftmals mit Schnitzereien verziert waren. Das poröse Innere des Geweihschaftes wurde meistens entfernt. Das Wort tafl (Tisch) wurde benutzt um Brettspiele zu betiteln, die Spielsteine waren bekannt als toflur oder hunn. Alte Schriften aus dieser Zeit erzählen von vielen verschiedene Spielen, doch trotz der vielen Spielnamen die man kennt (brannatafl, halatafl, hnefatafl, hnotafl, hrædtafl, kvatrutafl, merels, skaktafl und tabula) gestaltet es sich als recht schwierig die genauen Spielregeln zu rekonstruieren. Wahrscheinlich variierten sie zudem auch von Region zu Region.



Hnefatafl

Dieses Spiel war wohl das bekannteste Brettspiel seinerzeit. Hnefatafl ist eine germanische Weiterentwicklung des römischen Spieles Latrunculi (Soldaten). Es ist ein taktisches Spiel, bei dem es darum geht mit einer gewissen Anzahl von "Leibwächtern" seinen König vor einem in der Anzahl der Spielsteine überlegenem Gegner zu beschützen. Dieses Spiel wurde auf einem Spielbrett mit 7x7, 9x9, 11x11, 13x13, 15x15, oder 19x19 Feldern gespielt. Das mittlere Feld war meistens markiert.

Ein sehr aufwendig geschnitztes Spielbrett wurde in Gokstad / Norwegen gefunden. Dieses Spielbrett wurde von beiden Seiten benutzt; auf der Rückseite ist ein Mühlespiel eingeritzt. Auch diese Spielsteine waren halbkugelförmig. Es wurden viele weitere Spielbretter aus Holz - auch außerhalb Europas - gefunden, welche aber meist in ihren Verzierungen sehr einfach gehalten waren.

Für Spielbretter mit 9x9 Feldern brauchte man 16 dunkle und 8 helle Spielsteine plus König. Spielbretter mit mehr Feldern benötigten entsprechend mehr Spielsteine.
Im späteren Mittelalter verdrängte dann das Schachspiel die Taflspiele. Hnefatafl überlebte jedoch in Wales und wurde in einem Manuskript im Jahr 1587 erwähnt. In diesem Manuskript wurde es als Talbwrdd bezeichnet und wurde auf einem Spielbrett mit 11x11 Feldern, 24 dunklen Spielsteinen und 12 hellen Spielsteinen plus König gespielt. 1732 entdeckte ein Schwede Namens Linnaeus während einer Reise durch Lappland ein Spiel, welches Tablut genannt wurde. Die Lappen nannten die Spielsteine Schweden und Muskowieten und spielte auf einem Brett mit 9x9 Feldern.



Die Spielregeln

Der "Königspieler" beginnt das Spiel. Er hat die Hälfte an Verteidigern, wie der Gegner Angreifer hat (6 Verteidiger / 12 Angreifer bei einem Spielbrett mit 7x7 Feldern; 8 / 16 bei 9x9 Feldern; 12 / 24 bei 11x11 und 13x13; 24 / 48 bei 19x19 - jeweils plus den König). Er gewinnt das Spiel, wenn er seinen König sicher in die Burg (eines der 4 Eckfelder des Spielbrettes) bringen kann. Bei einem Spiel mit 19x19 Feldern genügt es eines der äußeren Seitenfeldern zu erreichen. Der Gegner gewinnt das Spiel, wenn er den König festsetzen kann.

Alle Spielsteine dürfen sich wie die Türme beim Schachspiel nur horizontal oder vertikal bewegen, so weit man will, oder kann. Es dürfen keine Spielsteine übersprungen werden. Diagonale Spielzüge sind nicht erlaubt. Die Eckfelder und das mittlere Spielfeld dürfen nur vom König betreten werden. Alle anderen Steine dürfen darüber hinwegziehen nicht aber darauf anhalten. Die Spielsteine sind gefangen, wenn sie in horizontaler oder vertikaler Anordnung von 2 Seiten festgesetzt worden sind (von zwei sich gegenüberliegenden Seiten / aber nicht diagonal). So ist es auch möglich mit einem Zug mehrere Spielsteine festzusetzen. Die gefangenen Spielsteine werden aus dem Spiel herausgenommen.

Wenn ein Spielstein zwischen zwei gegnerische Spielsteine gezogen wird, so gilt dieser Zug als "sicherer Zug". Das bedeutet, dass der Spielstein nicht festgesetzt wird und auch nicht aus dem Spiel genommen wird. Den König festzusetzen ist etwas schwieriger als bei den übrigen Spielsteinen. Der König muss von allen 4 Seiten (horizontal und vertikal) festgesetzt werden. Wenn dies der Fall ist, hat der Angreifer gewonnen. Ist der König jedoch von 3 Seiten am Spielfeldrand festgesetzt, so ist das Spiel noch nicht beendet, es sei denn, der Verteidiger ("Königspieler") kann keinen anderen Spielstein mehr bewegen (unentschieden). Ebenso ist das Spiel beendet, wenn der König von 3 Seiten, und als 4. Seite das mittlere Feld, festgesetzt ist.



Kubb

Kubb ist ein Geschicklichkeitsspiel mit strategischen Elementen. Es symbolisiert eine Schlacht, in der zwei verfeindete Gruppen für ihren König kämpfen. In der heutigen Form wird es seit circa 1990 gespielt und ist vor allem in Schweden und Norwegen beliebt, doch auch in Deutschland nicht mehr selten; teilweise wird es dort unter dem Titel "Hägars Wikingerschach", "Wikingerspiel", "Bauernkegeln", "Stöckchenspiel" oder "Wikingerkegeln" vermarktet oder gespielt.

Es treten zwei Mannschaften gegeneinander an. Eine Mannschaft besteht aus mindestens einer bis maximal sechs Personen. Die Spieler versuchen, jeweils die Holzklötze (Klotz=Kubb) der Gegenpartei mit Wurfhölzern umzuwerfen oder zu "fällen". Der König, der in der Mitte des Spielfelds steht, muss zuletzt getroffen werden. Wer zuerst alle Kubbs der Gegenpartei und den König getroffen hat, gewinnt das Spiel.

Bevor das Spiel beginnt, werden zwei Teams gebildet, die aus jeweils 1 bis 6 Personen bestehen.
Die traditionelle Spielfeldgröße beträgt 5 mal 8 Meter. Diese Größe kann aber je nach Fähigkeiten der Spieler frei gewählt werden. Die Fläche kann mit Grenzhölzern abgesteckt werden. Man kann Kubb auf allen möglichen Böden wie Rasen, Sand, Schnee oder festen Untergründen spielen.

Das Spiel besteht aus sechs massiven Wurf-Rundhölzern, zehn umzuwerfenden Klötzchen (Kubbs) und einem größeren König.
Je fünf Kubbs mit etwa einem Meter Abstand zueinander bilden auf jeder Seite die Grundlinie. Der "König" steht in der Mitte des Spielfeldes.

Die beiden Teams positionieren sich einander gegenüber zu beiden Seiten hinter ihrer jeweiligen Grundlinie, die durch die aufgestellten Kubbs (Grundlinien- oder Basiskubbs) gebildet wird.
Ein Spiel besteht aus mehreren Spielrunden. Welches Team die erste Spielrunde beginnt wird ausgelost. Danach wechselt das Erstwurfsrecht pro Spielrunde. Eine alternative Regel besagt, dass jedes Team einen einzigen Versuch hat, mit einem Wurfholz dem König möglichst nahe zu kommen. Das Team, dessen Wurfholz dem König am nächsten kommt ohne ihn umzuwerfen, darf beginnen.

Das beginnende Team A erhält als erstes die sechs Wurfhölzer. Alle Teammitglieder bekommen nach Möglichkeit dieselbe Anzahl an Wurfhölzern. Nun wird versucht, die gegnerischen Kubbs durch Werfen der Rundhölzer zu fällen. Dabei wird grundsätzlich von unten und mit dem Handrücken nach vorne geworfen. Der Stab soll dabei mit seiner Längsachse in Wurfrichtung fliegen, Horizontalwürfe und rotierende Würfe sind verboten. Die Wurfhölzer und eventuell umgeworfene Kubbs bleiben liegen, bis alle Teammitglieder ihre Hölzer geworfen haben. Nachdem Team A seine Würfe abgeschlossen hat, sammelt Team B alle Wurfhölzer und umgeworfenen Kubbs ein und ist nun an der Reihe.

Die umgefallenen Kubbs werden nun von Team B in die Feldhälfte von Team A geworfen. Die Mitglieder von Team A stellen die Kubbs dort auf, wo sie gelandet sind. Dabei ist es jedoch den Teammitgliedern freigestellt, in welche Richtung der Kubb zum Hinstellen gekippt wird. (Liegt der Kubb auf der Mittellinie oder einer der Außenlinien, so muss er immer so aufgestellt werden, dass mindestens die Hälfte seiner Grundfläche über die Linienmitte ragt.) Team B hat pro Kubb maximal zwei Versuche, um die gegnerische Feldhälfte zu treffen. Landet der Kubb auch beim zweiten Versuch außerhalb der gegnerischen Feldhälfte, darf Team A den Kubb beliebig positionieren. Es muss dabei allerdings vom König oder von den Eckpunkten mindestens eine Wurfholzlänge Abstand einhalten.
Die eingeworfenen Kubbs werden Feldkubbs genannt.

Meist wird Team B versuchen, die Feldkubbs möglichst nahe hinter die Mittellinie zu werfen. Dies hat den Vorteil, dass sie aufgrund der geringeren Distanz einfacher zu treffen sind. Ebenso wird meist versucht, die Feldkubbs möglichst nahe beieinander zu positionieren, damit die Chance besteht, mit den folgenden Wurfholzwürfen zwei oder mehr Kubbs auf einmal zu fällen.

Nachdem alle Feldkubbs platziert sind, wirft Team B mit den sechs Wurfhölzern auf die Kubbs in der Feldhälfte von Team A. Dabei müssen zuerst alle Feldkubbs umgeworfen werden. Falls einer der Basiskubbs umfällt, bevor alle Feldkubbs gefällt wurden, muss dieser wieder aufgestellt werden. Sobald Team B alle Feldkubbs gefällt hat, darf es wieder auf die Basiskubbs von Team A werfen.

Anschließend ist Team A wieder an der Reihe. Auch Team A wirft zunächst alle Kubbs, die von Team B umgeworfen wurden, in die gegnerische Feldhälfte. Falls es Team B nicht gelungen war, alle Feldkubbs zu fällen, so darf Team A nun mit den Wurfhölzern bis zu dem Feldkubb in seiner Hälfte vorgehen, der dem König am nächsten steht. Dieser Kubb bildet also die neue Wurflinie für diese Runde von Team A.

Sobald ein Team alle gegnerischen Feld- und Basiskubbs umgeworfen hat, darf es von der Grundlinie auf den König werfen. Falls es den König umwirft, hat dieses Team das Spiel gewonnen.

Wirft ein Team den König um, bevor es alle gegnerischen Feld- und Basiskubbs umwerfen konnte, so hat es das Spiel verloren.

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